Diskussionsrunde in der Nürtinger Stadthalle zeigte, dass die Eingliederung von Migranten ein facettenreiches Thema ist
Die Angst, dass Mitbürger anderer Nationalitäten in eine Parallelgesellschaft abdriften, ist groß. Sie einzugliedern ist erklärtes Ziel von Regierung und Kommunen. Doch ist Integration eine Mission (Im)possible? Dieser Frage ging am Mittwochabend eine Veranstaltung im K3N nach, die der Ortsverband Nürtingen der FDP organisiert hatte.
VON SYLVIA GIERLICHS
NÜRTINGEN. In der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist Integration kein Fremdwort. Sami Khedira, Mesut Özil, Serdar Tasci, Jérôme Boateng, Cacau oder Piotr Trochowski – „38 Prozent der Spieler der Nationalmannschaft haben einen Migrationshintergrund“, sagte der Vorsitzende des FDP-Ortsverbandes, Hosam el Miniawy. Doch so positiv, wie in der Nationalmannschaft stelle sich Integration nicht generell dar. „Viele Menschen mit Migrationshintergrund schließen die Schule oder Ausbildung nicht ab, es gibt doppelt so viele Arbeitslose als bei Deutschen“, sagt er und wünscht sich, dass Deutschland als Zuwanderungsland den Migranten die Chance gibt, den Anschluss zu schaffen.
Zur Diskussionsveranstaltung hatte el Miniawy den Landesvorsitzenden der türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg, Gökay Sofuoglu, eingeladen. „Ich komme aus Mittelanatolien. Mein Vater war Schneider, hatte einen kleinen Laden, der die vier Kinder nicht ernährte“, erzählte er. Also sei der Vater nach Österreich gegangen, um Geld zu verdienen, während die Familie zu Hause auf seine Rückkehr gewartet habe. „In 20 Jahren sahen wir ihn 20 Monate. Wir überlegten zwar, ob wir dem Vater nach Österreich folgen sollten, aber er war der Meinung, wir sollten in der Türkei ein anständiges Leben führen. Österreich war für mich als Kind das Land, das die Familie zerrissen hat“, sagt er. Weil die politische Situation in der Türkei es Anfang der 1980er-Jahre erforderte, zogen sie dann doch nach Österreich und schließlich nach Deutschland.
Noch gut erinnert sich Sofuoglu an den ehemaligen deutschen Innenminister Friedrich Zimmermann, der die Rückkehrförderung für Migranten der Bundesregierung umsetzte. Doch auch die Einwanderer fragten sich, „wohin gehören wir eigentlich? Wollen wir in die Türkei zurück? Können wir überhaupt zurück?“. Viel getan hat sich seiner Meinung nach seitdem nicht.
Migranten machen 20 Prozent der Bevölkerung in Nürtingen aus
Wie Nürtingen das Thema Integration angeht, zeigte Bürgermeister Rolf Siebert auf. Integrationsarbeit müsse in den Kommunen geleistet werden, wo die Menschen leben. Doch was bedeutet Integration? „Die Bereitschaft der Zuwanderer, sich auf die Gesellschaft einzulassen“, beantwortete Siebert diese Frage. Migranten machten rund 20 Prozent der Bevölkerung in Nürtingen aus. Hinzu kommen noch diejenigen mit deutschem Pass und ausländischen Wurzeln. „Diese Fülle an Menschen kann der Stadtverwaltung und den Bürgern nicht gleichgültig sein“, sagte Siebert. Mit dem interkulturellen Forum, das im Bürgertreff angesiedelt sei, aber auch mit einem interkulturellen Rathausteam, den Integrationskursen der Volkshochschule, Sprachkursen in Kindergarten und Hochschule oder dem städtischen sozialen Dienst gebe es viele Unterstützungsangebote für Migranten.
Integration müsse jedoch von Mensch zu Mensch funktionieren, sagte Siebert. Man müsse den Einwanderern die Chance zur Teilhabe geben. Dass es auch Konfliktpotenzial gibt, ist ihm dabei durchaus bewusst. „Diejenigen, die der Gesellschaft feindlich gegenüberstehen, erreicht man sowieso nicht, aber das ist ja nicht die Masse“, sagte Siebert. Ihm geht es darum, ein gewisses Desinteresse in der Migranten-Gemeinde aufzubrechen.
„Integration ist eine Facette“, sagt Ragini Wahl, Beauftragte für Flüchtlingsfragen im evangelischen Kirchenbezirk. Sie macht Integration auch davon abhängig, ob es sich bei dem Migranten um einen Flüchtling, Studenten, einen gut ausgebildeten Zuwanderer oder einen Arbeitsmigranten handele. Ein Problem sieht sie in der fehlenden Kompetenz der Lehrer. „Sie lernen nicht, Probleme im Klassenzimmer zu analysieren“, sagt Wahl. Und auch einigen Gemeinderäten wirft sie vor, die problematischen muslimischen Gruppierungen in der Stadt nicht zu kennen. Eine Datenbank müsse aufgebaut werden, die helfe, die verschiedenen Gruppierungen in Nürtingen einzuordnen.
Besorgt schaut auch Pit Lohse auf die Moscheevereine in Nürtingen. Dort werde Jugendarbeit betrieben, die dazu führe, dass die Jugendlichen nicht mehr bereit sind, sich zu integrieren, sondern eine Zwei-Welten-Ebene aufbauen. Seine Forderung: ein Integrationsbeauftragter mit Macht und Befugnissen. Es müssten jedoch auch Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden, damit Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund sich kennenlernen können. Integrationsbemühungen dem bürgerschaftlichen Engagement zu überlassen, hält er nicht für zielführend. Man brauche professionelle Konzepte und Mitarbeiter. Blindheit für zweifelhafte Gruppierungen mit antidemokratischen Zügen wirft er der politischen Ebene vor.
Ausbildungsabschlüsse sollten anerkannt werden
Hosam el Miniawy wünscht sich die Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen, damit sich Zuwanderer mit guter Ausbildung in die Arbeitswelt integrieren könnten. Für falsch hält er das Betreuungsgeld, das Eltern bekommen, die ihre Kinder zu Hause betreuen wollen. Dies halte Migrantenkinder vom Kindergarten fern, wo seiner Meinung nach Integration beginnt.
Auch die Zuschauer beteiligten sich rege an der Diskussion. So meinte eine Dame, dass Migranten eine Bringschuld bezüglich der Integration haben. So sollten sie beispielsweise das deutsche Schulsystem akzeptieren. „Viele Flüchtlinge wollen sich integrieren, aber die Hindernisse sind zu groß“, wandte Ragini Wahl ein. So hätten Flüchtlinge keinen Anspruch darauf, einen Sprachkurs zu besuchen und dürften in den ersten Jahren auch keine Arbeit aufnehmen. Ein anderer Zuschauer war der Meinung, es sei hilfreich, selbst einmal Ausländer gewesen zu sein, wenn man verstehen will, warum Integration schwierig ist. Wer offen empfangen werde, dem falle es leichter, sich einzubringen. Ein Gedanke, der bei den Zuhörern positiv aufgenommen wurde.
Gewonnen hat ………… Lara
…. nämlich einen Nachmittag auf dem Rücken eines Pferdes in LE-Stetten. Bei einem Luftballonwettbewerb der FDP Nürtingen auf ihrem Kinderfest war ihr Ballon am weitesten geflogen - bis nach Au am Rhein. Er hat damit immerhin eine Strecke von 126 Kilometern zurückgelegt. Sie konnte jetzt ihre ersten Reitübungen zusammen mit ihren Schwestern Lucy (links) und
Loreen absolvieren, unter der Leitung von Reitlehrerin Christine und der FDP-Bundestagsabgeordneten Judith Skudelny (Mitte rechts).
Gewonnen hat ………… Lara
Und weil Karl, so der Name des Pferdes, sehr lieb war, hat sich Lara schnell mit ihm angefreundet und hat sicher aufgesessen, mit und ohne Sattel.
Sensation bei der FDP-Kandidatenkür
Hosam el Miniawy aus Nürtingen soll die Nachfolge Dr. Ulrich Nolls im Landtag antreten
Foto und Artikel der Nürtinger Zeitung vom 25.03.2010:
----------------------------------------------------- Von 28 Menschen war vor Kurzem Hans-Ulrich Rülke, der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, in seinem Wahlkreis für den Urnengang im nächsten Jahr nominiert worden. Das schaffte der neue Nürtinger Kandidat ganz locker: Hosam el Miniawy aus Nürtingen wurde im zweiten Wahlgang mit 36 Stimmen zum potenziellen Nachfolger von Dr. Ulrich Noll gekürt.
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VON JüRGEN GERRMANN
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AICHTAL. Rechnet man noch die 30 Voten des in der Stichwahl unterlegenen Dr. Ulrich Adam aus Filderstadt hinzu, zeigt dies die enorme Resonanz vorgestern Abend auf die Nominierungsversammlung im „Adler“ in Grötzingen. Fast die Hälfte der 140 FDP-Mitglieder im Wahlkreis war erschienen. „Ich bin schon lange im Amt, aber so was habe ich noch nie erlebt“, strahlte Kreisvorsitzender Ulrich Fehrlen in seiner Funktion als Versammlungsleiter.
Dass der 33-jährige Sohn einer Deutschen und eines Ägypters als Sieger aus dem Dreikampf hervorgehen würde, das kann getrost als faustdicke Überraschung gelten. Eigentlich schien alles auf Dr. Ulrich Adam aus Filderstadt zuzulaufen, der schon Zweitkandidat für Dr. Ulrich Noll war und im Sommer in seiner Heimatstadt erstmals ein FDP-Direktmandat für den Kreistag errang.
Er lag auch im ersten Wahlgang mit 28 Stimmen ziemlich weit vorn, Hosam el Miniawy brachte es da auf 21 und der Dritte im Kandidaten-Bunde, Axel Dörr aus Leinfelden-Echterdingen, auf 17. In der Stichwahl kam es dann nicht wie von vielen erwartet: Es verbündeten sich nicht etwa die Filder gegen Nürtingen, sondern offensichtlich stimmten Leinfelden-Echterdingen und Aichtal für den Mann aus dem Neckartal. Die Sensation war perfekt.
In der Vorstellungsrunde und Befragung waren sich die drei Bewerber über vieles auch einig: Sie lehnten einen Ausbau des Flughafens ebenso ab wie eine Aufweichung des dortigen Nachtflugverbots und forderten eine Bildungs-Offensive, allerdings in Form einer Fortentwicklung des jetzigen Schulsystems, nicht dessen radikalen Umbau.
Hosam el Miniawy spielte in seiner Rede nicht zuletzt die jugendliche Karte aus: „Die FDP muss sich überlegen, ob sie auf Dauer die älteste Fraktion bleiben will“, zitierte er einen 20 Jahre alten Satz der Landesvorsitzenden Birgit Homburger. Den jetzigen Altersschnitt im Landtag von 58 Jahren hält der studierte Betriebswirt und selbständige Unternehmensberater für zu hoch – und will seinen Teil dazu beitragen, dass er künftig kräftig sinkt.
„Das Gelb in Stuttgart ist verblasst, seit Uli Noll gehen musste“
Hosam el Miniawy, FDP-Landtagskandidat
Mit Politikverdrossenheit kann er persönlich nichts anfangen: „Politik kann gestalten und muss was bewegen“, lautet einer seiner Leitsätze. Die FDP sieht er dabei als „Partei der Freiheit, der Bürgerrechte und der Vernunft“. Und er wucherte sicher nicht zuletzt mit dem Pfund, dass es in seiner Zeit als Ortsvorsitzender einen massiven Mitgliederzwachs und große Wahlerfolge in Nürtingen gegeben habe und man erstmals mit einer Fraktion im Gemeinderat vertreten sei.
Die „Politik der offenen Tür“, die Noll so beeindruckend vorgemacht habe, wolle er weiterführen und durch Dialog nah beim Bürger sein. Seine Beschreibung des Wahlkreises glich für viele geradezu einer Liebeserklärung, in der er immer wieder wichtige politische Ziele einflocht: sparsamen Umgang mit Flächen, Schutz der Bürger vor Lärm, Beistand für kleine und mittlere Betriebe (auch durch Bürgschaften für unverschuldet in Not geratene und eigentlich gesunde Firmen), weil der Erhalt von Arbeitsplätzen oberste Priorität habe.
Das Gelb in der Stuttgarter Koalition sieht el Miniawy verblasst, seit Ulrich Noll den Fraktionsvorsitz abgeben musste. In den Wahlkampf will er mit Zuversicht gehen: „Ich fürchte nicht die Berufspolitiker der anderen. Ich rede nicht von Wirtschaft. Ich komme aus der Wirtschaft. Mein ganzes Engagement, meine Leidenschaft und meine fachliche Kompetenz will ich zu 100 Prozent für den Wahlkreis einsetzen.“
Unterstützt wird er dabei übrigens von dem 29-jährigen Betriebswirt Jan Helge Schmeisky aus Aich (Foto). Der Vorsitzende des FDP-Ortsverbands Aichtal-Neckartenzlingen setzte sich bei der Wahl des Zweitbewerbers mit 35 Stimmen durch. Auch hier zog Axel Dörr mit 29 Stimmen den Kürzeren. Es war übrigens der bald scheidende Abgeordnete, der seine Parteifreunde am Schluss in Hoch- und Wahlkampfstimmung versetzte: „Der König ist tot, es lebe der König“, rief Noll höchstselbst aus: „Die Krone setzen wir dir am 27. März 2011 auf“, versprach er Hosam el Miniawy. An die Liberalen im Wahlkreis appellierte er, sich alle hinter den neuen Kandidaten zu stellen: „Wir müssen kämpfen, damit wir ein Super-Ergebnis hinbekommen. Aber wir packen das. Ich bin nach wie vor dabei!“ Eine Ankündigung, die von der Versammlung mit frenetischem Jubel bedacht wurde.
Mit seiner langjährigen Erfahrung hatte der 40-jährige Adam bei seiner Kandidatur punkten wollen. „Wir müssen neue Wege gehen“, lautete das Credo des 43-jährigen Dörr. Aber alle drei ließen spüren, dass sie nicht mit vornehmer Zurückhaltung in das wegen des neuen Wahlrechts schwieriger werdende Ringen um die Wählergunst gehen wollten (erstmals zählen nicht die absoluten Stimmen, sondern der Prozentsatz, noch hinter dem Komma). Adam zum Beispiel hielt den CDU-Kandidaten Thaddäus Kunzmann für eine „Steilvorlage für uns“. Den könne man glänzend attackieren. Auch die SPD sei mit dem Ersatz für den „Wahlkreisflüchtling Nils Schmid“ alles andere als ein übermächtiger Gegner. Und der einstige grüne Recke Winfried Kretschmann sei auch lahm geworden: „Der fleht nur noch um Regierungsbeteiligung.“
Sätze wie diese trafen (aus dem Munde jedes Kandidaten) exakt die Stimmung im Saal. Und man spürte: Die FDP im Wahlkreis weiß, dass ihr Nolls Mandat nicht mehr geschenkt wird. Aber sie will es auch nicht kampflos herschenken.
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Eine sehr beachtliche Rede von Christian Lindner
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